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Turbulenter Roadtrip durch halb Europa mit zwei Freundinnen und einem Vater nach Bestsellervorlage von Lucy Fricke. Leicht machen sie es einem nicht, die wundersamen und halsstarrigen älteren Herren, die ein Alter erreicht haben, in dem sie buchstäblich unverbesserlich geworden sind. Entweder nimmt man sie, wie sie sind, mit all ihren Macken und Mängeln und Schäden und unverträglichen Ansichten. Oder man geht ihnen besser aus dem Weg. Wenn man dann einen Zustand herbeiführt, an denen ihnen längst erwachsene Töchter am liebsten aus dem Weg gehen würden, es aber nicht möglich ist, hat man die fruchtbare Prämisse für einen Film, der Komödie und Tragik auf eine Weise verbinden kann, dass man sich als Zuschauer über jede neue Offenbarung, jede Volte und Wendung freut. Wenn man mit dem Vater gemeinsam mit der besten Freundin in einem Auto festsitzt beispielsweise, auf dem Weg in die Schweiz, wo der schwer kranke Mann mit Sterbehilfe der nach eigenem Bekunden sinnlos gewordenen Existenz ein Ende bereiten will - wie gerade erst auch André Dussollier in François Ozons jüngstem Film Tout s'est pien passé. Das ist im Grunde nicht lustig. Und wird es hier auch nur, weil der Vater von Sepp Bierbichler gespielt wird, wie nur Sepp Bierbichler Figuren spielt, bärbeißig, unapologetisch, immer mit einem Hauch von Melancholie und doch dem Schalk im Nacken - der eigenwilligste Papa des deutschen Kinos, seitdem Peter Simonischek in Toni Erdmann Sandra Hüller mit falschem Gebiss und Strohperücke in den Wahnsinn trieb. Tatsächlich ein ganz guter (wenngleich vermessener) Vergleich, weil es Nana Neul in ihrem dritten Spielfilm, nach Mein Freund aus Faro und Stiller Sommer, auch ganz wunderbar gelingt, dem Ernst der Geschichte immer gerecht zu werden, gleichzeitig die Reise aber auch aus den Fugen in ein genussvolles Chaos gleiten lässt, je weiter die Fahrt sich in den Süden bewegt und sich die zunächst noch so ordentliche Kleidung nach und nach aufzulösen beginnt, Sinnbild für den inneren Zustand der beiden besten Freundinnen Martha und Betty. Denn die Sterbehilfe in der deutschen Schweiz, erfährt man schon recht bald, war nur ein Vorwand des Vaters, um von Zuhause wegzukommen: Eigentlich zieht es ihn zum Lago Maggiore, zu seiner unerfüllten Jugendliebe. Und selbst das ist dann auch nur ein Zwischenstopp, weil es nicht nur um den alten Herrn geht, sondern vor allem um die beiden besten Freundinnen, gespielt von Birgit Minichmayr und Alexandra Maria Lara, beide so grundverschieden und doch Weggefährtinnen wie aus einem Guss, die ihrerseits schwer am Leben zu knapsen haben. Dass es dem Film so punktgenau gelingt, die prägnanten Kadenzen aus der Romanvorlage von Lucy Fricke, ihr Gespür für knackig genaue Dialoge, in filmische Bilder zu übertragen, mag sicherlich auch daran liegen, dass Fricke selbst das Drehbuch (gemeinsam mit Nana Neul) verfasst hat. Aber eben auch dem bemerkenswerten Gespür von Neul für Figuren und Stimmungen: Die Handlung mag entgleisen, nie aber der Ton...