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Eine Liebesgeschichte vor politischem Hintergrund holte Ken Loach, einer der führenden britischen Dokumentaristen, aus seiner Nische sozial engagierter, im Arbeitermilieu angesiedelter Dramen und Dramödien in den Vordergrund internationaler Aufmerksamkeit. Zwei Jahre nach Land and Freedom setzt Loach wieder auf die damals erfolgreiche Rezeptur - mit Variationen in Schauplatz und Zeit, aber der erneuten Mischung aus zwischenmenschlicher Annäherung und illustrierter Geschichtsstunde. Das Ergebnis, Carla's Song, empfiehlt sich als Film von großem politischen Sendungsbewußtsein, dessen zentraler amourös-emotionaler Kern ein wenig hinter den aufklärerischen Ambitionen zurückbleibt. Die Romantisierung des Zieles (Freiheit) und die Entromantisierung des Weges (Revolution) sind zentrale Themen auch im bislang letzten Film des 61jährigen Veteranen, der nach dem spanischen nun den nicaraguanischen Bürgerkrieg ins Bewußtsein einer mit Verdrängungsmechanismen operierenden Öffentlichkeit holen will. Mittels der sanft und anfangs durchaus humorvoll erzählten Love Story zwischem dem impulsiven, unkonventionellen schottischen Busfahrer George (Robert Carlyle, zuletzt prügelnder Maniac in Trainspotting, demnächst strippender Stahlarbeiter in Ganz oder gar nicht) und Carla (in Unsicherheit und Tränen authentisch wirkende Newcomerin: Oyanka Cabezas), einem in der Kälte Glasgows gestrandeten Flüchtling aus Nicaragua. Mit Hartnäckigkeit und Sensibilität erobert George das Herz der mißtrauischen Südamerikanerin, bis ihm ihr Selbstmordversuch die Grenzen aufzeigt. Weil der Trost von heute den Schmerz von gestern nicht besiegen kann, begleitet George Carla in ihre Heimat, um ein Trauma der Vergangenheit durch Konfrontation zu lösen. Ein Schauplatzwechsel nach etwa 60 Minuten, der Loach die Chance gibt, die Situation des vom Krieg zwischen Sandinisten und Contras zerissenen Landes zu beleuchten. Die Sympathien sind dabei nicht von Autor (Paul Laverty lebte Mitte der achtziger Jahre 30 Monate vor Ort) und Regisseur, sondern den geschichtlichen Fakten vorgegeben, aber Loach übertreibt ein wenig, verklärt die Revolutionshymnen und holt in seinem berechtigten Rundumschlag gegen die USA (Scott Glenn spielt einen geläuterten Ex-CIA-Agenten) gelegentlich zu weit aus (Grausamkeit ist keine amerikanische Erfindung!). Dennoch bleibt Carla's Song ein zurecht zorniger, Trauerarbeit leistender Film, der sich ohne Mätzchen auf seine Figuren und deren Gefühle einläßt. Ein Film, der zur Beschäftigung mit jüngster Geschichte verführt und dabei mit der ältesten Geschichte der Welt berührt. kob.