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Elektrisierende Verfilmung einer Kurzgeschichte von Haruki Murakami über einen Regisseur mit Schuldkomplex. Von Japan für den Oscar eingereicht. Letzthin haben es enigmatischen Vorlagen von Haruki Murakami gut gehabt im Kino. Lee Chang-Dong hatte vor drei Jahren mit dem großartigen Burning einen großen Aufschlag in Cannes. Nun legt der Japaner Ryusuke Hamaguchi, der erst im März 2021 mit Wheel of Fortune and Fantasy in Berlin den Großen Preis der Jury gewinnen konnte, bei seiner zweiten Einladung in den Wettbewerb von Cannes mit Drive My Car ebenfalls eine Kurzgeschichte des Meisters vor und breitet sie auf drei Stunden aus. Das guckt man nicht einfach weg, und doch lohnt der lange, verschlungene weg, den man zurücklegt. In einer ausführlichen Exposition lernt der Zuschauer einen gefeierten japanischen Theaterregisseur kennen, der ganz besondere Produktionen auf die Bretter bringt: Er lässt Klassiker von verschiedensprachigen Schauspielern spielen, begleitet von mehrsprachigen Untertiteln, die über der Bühne auf eine Leinwand projiziert werden. Die Frau des Regisseurs ist eine erfolgreiche Fernsehautorin. Nach dem Liebesspiel erzählt sie ihm eine ausufernde Geschichte über eine junge Frau, die unbemerkt immer wieder in der Wohnung eines Mannes einsteigt und dabei kleine Mementos hinterlässt. Das ist Murakami in Reinkultur: ineinander verwobene Erzählstränge, Doppelgängermotive, merkwürdige Krankheiten, die womöglich den Blick auf die Dinge beeinträchtigen. Man wartet förmlich auf eine Katze und unergründliche Erdlöcher, die in allen frühen Romanen Murakamis eine Rolle spielen. Aber immerhin wird später von einem Erdrutsch erzählt, der ein Haus unter sich begräbt. Als der Regisseur eines Tages später als verabredet nach Hause kommt, liegt seine Frau leblos am Boden, ein Gehirnschlag aus heiterem Himmel. Ende der Exposition. Nach 45 Minuten zeigt Hamaguchi die Credits. Muss man erst einmal bringen. Und geht dann zur eigentlichen Geschichte über, die zwei Jahre nach dem bislang Gezeigten angesiedelt ist und sich dreht wie ein gut geschmiertes Rad des Zufalls und der Fantasie. Der Regisseur soll in Hiroshima Tschechows Onkel Wanja inszenieren, mit japanischen, chinesischen und koreanischen Schauspielern und einer gehörlosen Laiendarstellerin, die in Gebärdensprache spricht. Sein Hauptdarsteller ist ein junger, zu Affekthandlungen neigender Filmstar, der eine Affäre mit der Frau des Regisseurs hatte, was den aber nicht weiter tangiert. Ausführlich folgt man dem Probenprozess. Dazwischen wird Whisky getrunken und geraucht. Immer wieder braust das rote Auto durchs Bild und die endlosen Straßen entlang. Und jeder erhält die Gelegenheit, die Handlung noch weiter zu verkomplizieren, indem er seine Geschichte erzählt. Der Film liebt den Rhythmus von Sprache, ist vernarrt ins Fabulieren und findet darin einen Rhythmus, dem man sich nicht entziehen kann, eine eigene innere, zwingende Logik. Es kommt zu einem Mord und eine Reise quer durch Japan. Zu behaupten,...